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Der Vorgesetzte von Goethe stammte aus Seerhausen

Jakob Friedrich von Fritsch wurde als ältester Sohn des Thomas Freiherr von Fritsch auf Seerhausen am 22. März 1731 in Dresden geboren. Er bezog bereits als 17jähriger zu Ostern 1748 die Universität in Leipzig. Nach erfolgreichem Abschluß des Studiums setzte er 1751 seine Ausbildung bei einem Freund des Vaters fort: Graf Heinrich von Bünau, damals Statthalter in Eisenach. Bereits 1754 trat er als Legationsrat und Assessor in Weimarische Dienste, wurde dann unter der Regentschaft Anna Amalias 1762 als Geheimer Legationsrath in das Geheime Consilium berufen und rückte 1772 nach dem Tod des bisherigen Vorsitzenden des Consils noch zu Lebzeiten seines Vaters an die Spitze der Weimarer Regierung. Der künftige Besitzer des Rittergutes Seerhausen als Weimarer Regierungs-Chef unter Anna Amalia!
Anna Amalia und Carl August – damit sind wir in Weimar in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, genau der Zeit, die den Weltruhm Weimars begründete und in der Dichterfürsten wie Goethe, Schiller, Wieland und viele andere hier ihre Werke für die Ewigkeit schrieben. Wenn wir dem Chronisten der Familie glauben wollen, dann ist Jakob Friedrich von Fritsch sogar in die Literaturgeschichte eingegangen – als die Figur des Antonio in Goethes „Tasso“, ein Stück, das als poetische Verklärung der weimarischen Anfänge des großen Dichters gelten kann. Wie kommt der Besitzer von Seerhausen und Zschochau in ein Werk von Goethe?
Goethe traf im November 1775 in Weimar ein. Genau zu dieser Zeit erfolgte hier ein Wechsel der Regentschaft. Carl August, der Sohn Anna Amalias, war nun volljährig und übernahm die Regierungsgeschäfte von seiner Mutter. Nach seinem Wunsch sollte nun Goethe, kaum in Weimar angekommen und überdies mit Skandalen umgeben, in die Weimarer Regierung aufrücken. Fritsch sträubte sich energisch. Dabei führte er vor allem Goethes Jugend und Unerfahrenheit in Regierungsangelegenheiten als Argument gegen eine Einstellung ins Feld und bot sogar seinen Rücktritt an. Der junge Herzog und auch Anna Amalia überzeugten aber ihren obersten Minister, und so wurde Goethe bereits am 25. Juni 1776, nur ein gutes halbes Jahr nach seiner Ankunft, in seine neue Stellung eingeführt. Goethes Vorgesetzter in diesem neuen Amt blieb Jakob Friedrich von Fritsch.

Bild oben: Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, Besitzer der Rittergüter Seerhausen und Zschochau.
Bild unten: Das vom Chronisten der Familie von Fritsch verfaßte Buch zu den Beziehungen des Freiherren von Fritsch zum Weimarer Hof.
Lassen wir den großen Dichter ein paar Worte über den Besitzer von Seerhausen verlieren, der seine Einstellung eigentlich verhindern wollte. „Goethe rühmte, daß der Geheime Rat von Fritsch stets redlich gegen ihn gewesen, obgleich sein, Goethes, Treiben und Wesen ihm durchaus nicht habe zusagen können. Aber er habe doch Goethes reinen Willen, uneigennütziges Streben und tüchtige Leistungen anerkannt. Seine Gegenwart, seine Äußerlichkeit sei nicht grade erfreulich gewesen, vielmehr scheinbar starr, ja hart; er habe nichts Behagliches oder Feines in seinen Formen gehabt, aber viel Energie des Willens, viel Verstand ...“. Und in einem Brief schrieb Goethe an Fritsch: „Sehen Sie es als einen Beweis an wie bedeutend mir alles ist was von Ihnen kommt, und wie sehr es in Ihrer Gewalt steht mich in jedem Geschäffte, dessen ich mich nach Kräfften gern unterziehe, mit Einem guten Worte aufzumuntern.“
Der weitere Lebensweg des von Goethe offenbar geschätzten Fritsch soll hier nur kurz gestreift werden. Erst im Alter von 69 Jahren erhielt er am 31. März 1800 seinen ehrenvollen Abschied aus dem Weimarer Staatsdienst. Seinen Lebensabend verlebte er teils in Weimar und teils in Seerhausen. Er starb in Weimar am 13. Januar 1814. Sein Sohn, Karl Wilhelm Freiherr von Fritsch wurde in Weimar sein Nachfolger als Wirklicher Geheimer Rat und Staatsminister. Als dieser 1836 die auf Seerhausen befindlichen 2.500 Bände der Schloßbibliothek an die Leipziger Universitätsbibliothek verkaufte, um von dem Geld in Seerhausen eine neue Schule bauen zu lassen, handelte er gewiß nicht nur „im Geiste des ehrwürdigen Sammlers dieser Bibliothek“, seines Vaters, sondern auch im Geiste seines Großvaters, des Buchhändlersohnes Thomas Freiherr von Fritsch. Denn wie kostbar und wertvoll Bücher auch sein mögen – sie entfalten erst dann ihren Reiz und Wert, wenn es jemanden gibt, der sie auch lesen und verstehen kann.



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