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Grenzgänger

Grenzstein in der Dahlener Heide
Eine Grenze in der Dahlener Heide

Die Liste unglücklicher Kriege in der sächsischen Geschichte kennt einige Beispiele. Das blutigste war sicher der 30jährige Krieg, das bekannteste wohl der 7jährige Krieg. Das für Sachsen folgenreichste Beispiel sah das Königreich zur Zeit der Befreiungskriege an der Seite Napoleons kämpfen.
Dabei hatten noch 1806 in der Schlacht von Jena und Auerstedt Sachsen und Preußen gemeinsam gegen die französischen Eroberer im Felde gestanden. Napoleon gelang es, zwischen die Verbündeten einen Keil zu treiben. Kurfürst Friedrich August III. wurde sächsischer König von Napoleons Gnaden. Sachsen erhielt 1807 den bislang zu Preußen gehörenden Cottbuser Kreis und etwas später auch noch das Großherzogtum Sachsen - gebildet aus österreichischem und preußischem Gebiet. Dieser scheinbare Gebiets- und Machtzuwachs sowie die Einbeziehung sächsischer Truppen in Kampfhandlungen erreichten ihr Ziel. Sachsen schloß sich der Seite Napoleons an, während Preußen auf der Seite der Verbündeten verblieb.
Nach dem gescheiterten Rußlandfeldzug des Korsen verlagerte sich der Kriegsschauplatz nach Sachsen. Vom Frühjahr bis zum Herbst 1813 gingen dem Finale - der Leipziger Völkerschlacht - bereits mehrere Schlachten voraus, so bei Großgörschen, Dresden oder Bautzen. Die Völkerschlacht selbst sah sächsische Truppen zum Gegner überlaufen, der König indes hielt weiter zu Napoleon.
Heute lassen die Historiker oft kein gutes Haar an der Rolle des sächsischen Königs in dieser Zeit. Dennoch sei ein Blick (vielleicht war es auch sein Blick) noch weiter zurück gestattet, auf den Seitenwechsel Sachsens im 30jährigen Krieg und seine Folgen. Nachdem Sachsen und Schweden bis zu besagtem Seitenwechsel im Jahre 1635 gemeinsam gekämpft hatten, sorgte in den zehn Jahren danach ausgerechnet der einstige Verbündete Schweden für die vollständige Verwüstung Sachsens. Menschenleer gewordene Orte wie Lausa, Ochsensaal oder Frauwalde wurden erst lange nach dem Krieg wieder besiedelt, und in Sachsen hatte nur ein Drittel der Bevölkerung überlebt.

Bild oben: Ein Grenzstein in der Dahlener Heide.

Bild unten: Die Jägereiche.
Jaegereiche Dahlener Heide
Derlei Gedanken kamen den Siegern der Völkerschlacht natürlich nicht, als sie den Sachsen auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 die Rechnung für ihre Vasallentreue präsentierten. Sachsen mußte fast zwei Drittel seines Gebietes angeben, den größten Teil davon an Preußen, welches sich mit seinem Wunsch nach einer vollständigen Auflösung Sachsens zum Glück nicht durchsetzen konnte. Ein „Friedens- und Freundschaftsvertrag“ zwischen Sachsen und Preußen regelte unter anderem auch die Grenzfrage in der bis dahin geschlossen zu Sachsen gehörenden Dahlener Heide: „Von der Elbe bis zur Grenze des Stiftes Merseburg wird die Grenze auf die Weise bestimmt werden, daß die Ämter Torgau, Eilenburg und Delitzsch preußisch werden, die Ämter Oschatz, Wurzen und Leipzig hingegen bei Sachsen verbleiben. Die Linie wird den Grenzen dieser Ämter folgen, indem sie jedoch einige Enklaven und halbe Enklaven abschneidet. Die Straße von Mühlberg nach Eilenburg wird ganz auf preußischem Gebiet sein.“
Aus dieser Formulierung ergaben sich einige Unklarheiten, insbesondere die Oberheide und den Reudnitzforst betreffend. Preußen legte den Text des „Freundschaftsvertrages“ recht eigenwillig zu seinen Gunsten aus und vereinnahmte sowohl den Reudnitzforst als auch die gesamte Kirchfahrt Cavertitz mit Schöna, Olganitz, Treptitz und Klingenhain. Nach der Hauptkonvention im Jahre 1818 mußte Preußen beides aber wieder an Sachsen zurückgeben, und die betroffenen Orte feierten die Wiedervereinigung mit Sachsen. Ihren Nachbarn in Schirmenitz, Paußnitz und Lößnig wird wohl weniger zum Feiern zumute gewesen sein - denn sie kamen als Ausgleich dafür zu Preußen. Des einen Freud ...
Heute sind nicht nur hier, sondern auch östlich der Elbe immer noch einige der Grenzsteine zu bewundern. Die Grenze - sie verlief in der Dahlener Heide z.B. zwischen Kobershain und Jägereiche entlang des S-Weges bzw. A-Weges - ist gleichzeitig auch ein schöner Wandervorschlag. Schildberg, Napoleonstein, Hügelgräber, Siebenquellental, Dahlequelle oder Jägereiche liegen direkt an oder in der Nähe der einstigen Grenze. Wer sich auf dem Rückweg etwas weiter südlich hält, findet in den zahlreichen Gaststätten um Reudnitz, Schmannewitz, Ochsensaal oder Frauwalde sicher eine Einkehrmöglichkeit nach seinem Geschmack.
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