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Der studierende Bauerssohn

Gottlieb Fuchs (1721-1799)

Einige seiner Gedichte sind im Reprint als kleines Heft erschienen: Gedichte von Gottlieb Fuchs

Von den Wohltaten, die dem jungen Dichter auf das nachfolgende Gedicht zuteil wurden, konnte er tatsächlich vier Jahre lang ohne Not in Leipzig studieren.

Auf seiner Reise nach Leipzig (1745)

Mir zittern Herz und Knie, und ängstlich suche ich
Der Linden Heiligtum. O! Vorsicht, leite mich!
Durch dich besteht die Welt, du stützest ihre Teile;
Du schaffst, daß man beglückt nach Brot und Künsten eile.
Wer nicht, wie du befiehlst, den Finger beugt und regt,
Hat, als ein Thor, dies Glied gebogen und bewegt.
Sprich, hat wohl dein Beruf zum Büchern mich erlesen?
Wie? Oder bin ich nur zum Pflug bestimmt gewesen?
Dort ruft ein innrer Trieb, und hier des Vaters Spur,
Der erste mich zur Kunst, die andre nach der Flur.
Geburt und Ort befahl, auf den gebürgschen Erden,
Nach meiner Väter Art, ein Ackersmann zu werden.
Kaum wußt ich, daß ich war, als schon die junge Hand,
Die oft die Rute traf, ihr Brot durch Spinnen fand.
Vom Flachs und Arbeit frei, folgt ich des Pfarrs Exempel
Und predigte als Kind, und baute manchen Tempel.
Oft hat der Geißel Knall vom Wald zurück gebraust.
Trug ich, als Kuhmonarch, den Zepter in der Faust.
Doch hierbei merkt ich auch, was Lust und Triebe gelten;
Ich wußte manche Kuh lateinisch auszuschelten,
Die mir rebellisch ward. Ich klagts dem ganzen Staat,
Und warf, vom Zorne rot, sie oft mit dem Donat.

Wenn jetzt die Sommernacht des Tages Glanz verdunkelt,
Die Pracht des Abendrots noch frisch im Westen funkelt;
So weiß ich nicht, was da für Feuer in mir brannt.
Ich sah das reine Blau, und das betaute Land,
Und wünschte: möcht mir doch jetzt ein Lied gelingen,
Wie wir, am Sabbattag, in unsrer Kirche singen.
Ich tats. Ich faßt auch wohl manch Blatt satirisch ab,
So oft ein Nachbarskind mir was zu spotten gab.
Ich Bauernknabe tats. Ist’s ein Beruf zu nennen?
Gewiß, ich weiß es nicht. Ich fühle zwar sein Brennen,
Doch fühl ich auch dabei den Zweifel, der mich drückt;
Die Armut nennet mich zur Weisheit ungeschickt.
Nicht wünsch ich Überfluß, mich stolz und faul zu mästen;
Es rosten hie und da vom Geiz betränte Kästen!
O! Hätt ich von dem Geld, auf welches Harpax haucht,
Nur was er ehrlich hat, nur was mein Hunger braucht.

Mein Vater kann mit Not, wo Böhmens Höhen liegen
Auf Kies und kargem Land kaum so viel Brot erpflügen
Als er durchs lange Jahr mit seinen Kindern ißt.
Hier bleibt kein Teil für mich. Gott, den der Rabe grüßt,
Wenn ihn der Hunger quält, der alles Fleisch erhöret,
Den Walfisch in der See, so groß er ist, ernähret;
Du hast mich, ein Geschöpf, das Witz und Wille ziert,
Gewiß zu meiner Pein nicht in die Welt geführt.
Die Weisheit schuf mich arm: warum? Es soll auf Erden
Vielleicht durch meine Not ein Reicher milde werden.
Kommt, Gram und Dürftigkeit, Gefährten schlimmer Art!
Seid mir in Leipzig auch, was ihr in Freiberg wart.
Gesetzt, daß Gott und Glück noch lange sich verstellten;
Mein Wohl blüht endlich doch, vielleicht in andern Welten.
Es ist mir zugedacht, und schon von Ewigkeit;
Nur deckt es jetzo noch der Nebel künftger Zeit.

So wie bei düstrer Nacht, der Trank für durstge Felder
In schwarzer Wolken Dunst sich über Berg und Wälder
Um Erd und Himmel wälzt, und ein Gewölbe stellt;
Ein armer Wandrer irrt, und tappt und greift und fällt
Durch Flut und Wetter hin, weicht nicht von seinem Stege;
Und findet, eh er’s denkt, ein Wirtshaus an dem Wege.
So steht wohl unvermerkt, und dringt mit größrer Lust
Ein unverhofftes Glück dereinst in meine Brust.
Mit gleichem Vorteil ist mein Unglück mir verborgen;
Trifft morgen mich mein Schmerz, so wein ich auch erst morgen.
Doch wüßt ich Kreuz und Glück, das mir begegnen soll,
So würd ich da zu stolz, und dort verzweiflungsvoll.

Gott! Hat Gebet und Wunsch durch die je eingetroffen,
Das treue Väter tun, so kann ich vieles hoffen.
Die Tränen steigen auf, denk ich der Einfalt nach,
Wie er, mein bester Freund, beim Abschied sorgt und sprach.
Sein Rat: Sohn, bete nur, Gott wird dich nicht vergessen,
Und tu niemanden Leids! Lehrt michs genug ermessen.
Gott hat ihn arm gemacht, und arm hat er mich lieb;
So lieb als ein Papa. Es zeigt sein frommer Trieb
Des besten Vaters Herz. Und wenn ein Herr der Erden
Sein königliches Kind mit prächtigen Gebärden,
Mit Dienern, Geld und Vieh zu seinem Nachbarn schickt;
Wer weiß, ob er so lang und sehnlich nach ihm blickt.
Auf eines Berges Haupt blieb er voll Andacht stehen,
In flachen Tälern hin, mir liebreich nachzusehen.
O! Her, der du durch ihn mein Wesen hergebracht,
Gieb, daß ich seiner Brust, die redlich für mich wacht,
Mich heimlich Joseph nennt, mit Hilf und Trost begegne
Und einst dem lieben Greis sein armes Alter segne.

Der zufriedene Bauer (um 1750)

Macht mir vom Volk, das vornehm geht, nur nicht so viel Geplärr!
Ein Bauer, der sein Feld versteht
Hat`s besser als sein Herr!
Der Schulze selbst, so groß er tut,
Hat seine liebe Pein
Und immer keinen rechten Mut -
Ich möchte Schulze sein!

Er gafft mir vielmal ins Gesicht
Und spricht, ich wär gesund.
Ja ja, was tut die Arbeit nicht?
Bei der ißt man sich rund!
Er speist sein Fleisch und trinkt sein Bier,
Und nichts will ihm gedeihn.
Ach ja, so schade doch dafür!
Ich möchte Schulze sein!

Ein Amt, was das für Mühe macht!
Man hat mit sich zu tun.
Ich dächt’, er könnte keine Nacht
Vor lauter Sorgen ruhn.
Und welcher von den großen Herrn
Büßt seine Ruh gern ein?
Ich danke, denn ich schlafe gern -
Ich möchte Schulze sein!

Es geht ihm manchmal wunderlich
Er wird es nicht gestehn!
Er hat der Sachen viel vor sich,
Wie bald ist was versehn!
Ich weiß es wohl, er steckt im Amt
Gar manchen Wischer ein.
Das ärgert einen doch verdammt -
Ich möchte Schulze sein.

Der Herren Weiber sind wohl schön,
Allein sie sind auch schlau.
So knapp darf Liese mir nicht gehn
Wie Schulzens junge Frau.
Heut drehte sie sich wie der Blitz
Zur Kammertür herein.
Und hinten nach kam Junker Fritz -
Ich möchte Schulze sein!



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