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Türme an der Mulde

Schloss Wurzen.
Ein Stadtrundgang durch Wurzen

Die Mulden- und Domstadt Wurzen kennt man oft nur durch den Sachsen verständliche Kalauer: „Vor Wurzen wurzen schlecht, nach Wurzen wurzen wieder besser“ oder das meist nicht richtig wiedergegebenen Zitat aus Goethes Urfaust: „Bey Wurtzen ist`s fatal, da muß man so lange auf die Fähre manchmal warten.“
Die Stadt hat aber den Aufmerksamen ungleich mehr zu bieten, wenn es auch nie eine Touristenstadt wird. Sie war von Anfang an auch eine Stadt des Verkehrs und Gewerbes. Der deutsche König Otto I. schenkte das schon befestigte „Vurcine civitas“ am ungleich älteren Muldenübergang mit seinem zugehörigen Hinterland im Jahre 961dem berühmten Magdeburger Moritzkloster. Schon um 1005 gehörte es dem Bistum Meißen, dessen letzter Bischof hier 1581 abdankte.
Die weltliche, halb-wettinische Herrschaft über das formal abgesonderte Stiftsgebiet dauerte von 1582 bis 1818. Mit dem Ende der bischöflichen Herrschaft war auch das der äußerlich glanzvollen Stadtgeschichte verbunden, die Stadt sank - wie alle in der Umgebung Leipzigs - zur wirtschaftliche Belanglosigkeit hinab, woran auch Fähren und Furten im Laufe der transeuropäischen Straße nichts änderten. Das Erlebnis eines langen Wartens mag Goethe zum Urfaust-Zitat angeregt haben. Er besuchte später hier seine Leipziger Jugendliebe Kätchen Schönkopf als „Frau Stiftsrätin Kanne“ und hinterließ ihr eine unfreundliche Eintragung in ihrem Album.
Ein ungelöstes Problem ist es bis heute - der Verkehr. Durch den Bau der ersten deutschen Ferneisenbahn Leipzig-Dresden erhielt die Stadt 1839 ihre früheste Brücke. Dazu gab es seit 1877 eine Ergänzung mit der schon mehrfach erwähnte „Muldenthalbahn Glauchau-Wurzen“, auch wenn die nicht bis Kopenhagen fortgesetzt werden konnte, weil das Geld dazu fehlte. Damit gingen der lange Schlaf und das späte Mittelalter für die Stadt schnell zu Ende. Entlang der Eisenbahnstrecke und dem ersten festen Muldenübergang für die Fernstraße entstand eine Fülle verschiedener Betriebe der verarbeitenden Industrie und mit ihnen zahlreiche proletarisch-kleinbürgerliche Wohnquartiere. Diese Grundtatsache der Wurzener Stadtgeschichte spürt jeder, der vom Bahnhof oder einer Bushaltestelle aus in das Zentrum läuft. Eines bleibt bis heute: Der gewaltig gewachsene Straßenverkehr auf der „B 6“ tobt immer noch durch die dafür seit langem viel zu enge Stadt! Diese enormen Belastungen mindern die Wohnqualität der freundlichen, unterdessen wieder „kreisfreien Stadt“. Allerdings geht es nicht mehr durch die Vorstadt „Crostigall“ und am einmaligen Posttor vorüber. Dieses imposante Denkmal der älteren Verkehrsgeschichte wurde 1734 an der Stelle erbaut, wo schon seit 1669 die Postpferde gewechselt wurden - an der Posthalterei.

Das Wurzener Schloß.

Der tagsüber meist geöffnete zweitürmige Dom der Muldenstadt steht direkt neben dem Schloß.
Wurzen Mulde Dom
Wenn wir uns als Ziel an den beiden schlanken Domtürmen orientieren, gelangen wir in die Domgasse und stehen bald vor dem vorzüglich gestalteten Kulturgeschichtlichen Museum. Dort wurde in den letzten Jahren neben der Geschichte mit dem Fladen- und Saukrieg auch die Wirtschaftsgeschichte wie die Kulturgeschichte neu aufgearbeitet.
Den Rechtshistorikern ist die marktnahe „Liegenbank“ ein einzigartiger Zeuge und die Kunstfreunde zieht es natürlich in den Dom mit seinen romanischen Resten, den gotischen Plastiken und den jeden Sommer stattfindenden Domkonzerten. Die Ansichten können durchaus hitzig aufeinander prallen, wenn es um die letzten und bedeutendsten Bronzeplastiken des Dresdeners Georg Wrbas von 1928/32 geht.
Turmliebhaber können sich auch in Wurzen freuen. Vom Turm der Wenceslaikirche kann man die rekonstruierte Türmerwohnung betrachten und in das Gassensystem der „gewachsenen Stadt“ blicken. Von hier sehr schön zu erkennen: das klar gegliederte, spätgotische Bischofsschloss neben dem Dom sowie die beiden äußerlich kirchenähnlichen Bauten der ehemaligen „Krietzschmühle“. Von dem Turm sieht man auch deutlich, daß die Stadt selbst keine Stadtkirche hatte, denn der Dom war dem bischhöflichen Stift vorbehalten und die Wenceslaikirche mit dem hier fremden böhmischen Patron gehörte der gleichnamigen Vorstadtgemeinde.
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