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Ein Fürstenhof der Renaissance

Torgau Elbe Schloss Hartenfels
Als Torgau Residenzstadt war

Über 500 Jahre ist es her, als der wettinische Besitz 1485 durch die Leipziger Teilung zwischen den kurfürstlichen Brüdern Ernst und Albrecht gespalten wurde. Auch das heutige Sachsen war von dieser Teilung betroffen. Während Albrecht solche Städte wie Dresden oder Meißen (Albrechtsburg) erhielt, kamen Wittenberg und auch Torgau in den Besitz von Ernst, wurden also „ernestinisch“.
Was sich insgesamt für den wettinischen Besitz als verhängnisvoll erweisen sollte, können wir jedoch für die Stadt Torgau als ausgesprochenen Glücksfall bezeichnen: hier richteten die ernestinischen Kurfürsten ihre Residenz ein, hier befand sich für gut 60 Jahre bis zur Niederlage der Ernestiner in der Schlacht bei Mühlberg 1547 der Hof des Kurfürsten.
Wer heute nach Torgau kommt, dem begegnet in der Altstadt auf Schritt und Tritt steingewordene Geschichte der Renaissancezeit. Klangvolle Namen verbinden sich in dieser Zeit mit der Elbstadt: Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach, Johann Walther oder Georg Spalatin seien hier stellvertretend für viele genannt. Spalatin, der Chronist des Kurfürsten, begann hier wohl um 1535 mit dem Schreiben einer „Chronik der Sachsen und Thüringer“, eine der ältesten Chroniken zu diesem Gebiet überhaupt. Wenn wir dann noch sehen, daß die Illustrationen zu diesem Werk aus der Cranach-Werkstatt stammen, dann ist es eigentlich mehr als unverständlich, daß es bis heute, über 450 Jahre später, immer noch keinen Druck dieser Chronik gibt. Immerhin können wir aber seit geraumer Zeit zumindest digital einen Blick in dieses Kunstwerk werfen - die Ausstellung „Torgau - Ein Fürstenhof der Renaissance“ im Flügel D von Schloß Hartenfels macht es möglich.
Überhaupt ist diese Dauerausstellung (Laufzeit bis 2011) mit ihren Exponaten zu Prunk und Alltag eines Fürstenhofes ein schöner Start für einen Torgau-Besuch, denn die Einrichtung des Schlosses war für die Renaissancezeit durchaus herausragend. Immerhin gab es hier bereits vor 500 Jahren ein Badehaus oder beheizbare Schlafräume - damals auch an Fürstenhöfen noch ein ausgesprochener Luxus.
Weniger luxuriös als heute ging es seinerzeit beim Thema Reisen zu. Ewig lange Fahrten auf holprigen Wegen in der engen Kutsche - gerade bei der offensichtlich guten Ernährungssituation der Kurfürsten gewiß eine Herausforderung. Damit es am Ziel an nichts mangeln sollte, nahm die Kutsche auch noch Gepäck auf - beispielsweise in einer hier gezeigten Reisetruhe, seinerzeit ständiger Begleiter der Kurfürsten auf längeren Reisen.

Bild oben: Schloß Hartenfels in Torgau. Die Öffnungszeiten der Ausstellung können unter Tel. 03421/70140 erfragt werden.

Bild unten: Das Grabmal der Katharina von Bora in der tagsüber meist geöffneten Torgauer Marienkirche.
Torgau Elbe Marienkirche Katharina von Bora
Auch Jagdutensilien, Gemälde und Dokumente sind in der Ausstellung zu bewundern. Der neben der Spalatin-Chronik zweite „digitale Rückblick“ hat es ebenfalls in sich: Miniaturen des Halleschen Heiltums, eines Reliquienschatzes des Kardinals Albrecht von Brandenburg, welchen dieser um 1526 handschriftlich dokumentieren ließ. In einer Zeit, als die Menschen vor der Reformation bei allen möglichen Heiligen um Schutz für sich und ihre Nächsten baten, gehörten Reliquien zu den meist kunstvoll verwahrten Objekten, die einen solchen Schutz bieten sollten. Auch Friedrich der Weise brachte viele Kleinodien und Kunstwerke, welche die Reliquien verschiedener Heiliger aufnehmen konnten, in seinen Besitz.
Die Torgauer Kurfürsten standen bekanntlich den Reformationsgedanken Martin Luthers sehr offen gegenüber, und ohne ihren Schutz hätten die Ideen des großen Reformators wohl kaum einen solchen Siegeszug angetreten. Mit der beschriebenen Heiligenverehrung war es jedoch seit Luthers „Kirchenumsturz“ vorbei. Gut zwanzig Jahre brauchten allerdings die Torgauer Kurfürsten, um sich zur endgültigen Auflösung ihres Reliquienschatzes durchzuringen. Leider wurde der Schatz, wohl vergleichbar mit dem des Brandenburger Kardinals, in Folge dieser Auflösung im Jahre 1541 zu Gunsten der Armenkasse eingeschmolzen, so daß von ihm nichts überliefert ist.
Nicht nur in der Ausstellung selbst begegnen wir dem Erbe der Kurfürsten. Gerade auch der Ort der Ausstellung - Schloß Hartenfels mit seinem Wendelstein, seiner durch Martin Luther geweihten Schloßkapelle, dem Grabmal der Katharina von Bora in der Marienkirche der Stadt oder den vielen liebenswerten architektonischen Details - versetzt den Besucher zurück in eine Zeit, als hier in Torgau Weltgeschichte geschrieben wurde.
Umfangreiche begleitende Literatur zu Ihrer Wanderung (im Regelfall über 20 verschiedene Beiträge und/oder Publikationen nur zu diesem einen Streckenabschnitt, allein in den 44 Ausgaben des Mittelsächsischen Heimatboten finden sich über 500 verschiedene Beiträge zu Kultur und Geschichte der Region) finden Sie unter www.annalista-saxo.de, dort auch die Bestellbedingungen für die nachfolgend aufgeführte Fremdliteratur, die ebenfalls über uns bezogen werden kann:
Rad- und Wanderkarte Torgau, Bad Liebenwerda und Umgebung vom Verlag Dr. Barthel, Preis: 4,90 Euro, ISBN 978-3-89591-083-8, diese Karte bitte im Buchhandel bestellen, bei uns nicht lieferbar!



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