Wandern - Führungen - Vorträge - Literatur

Informationen und Angebote

Schloßimpressionen

Wanderungen

Auf den Spuren von ...

Schloss Wurzen, eine spätgotische Residenz an der Mulde

Schloss Wurzen von Norden
Details und Termine zu Führungen im Schloss und im Dom zu Wurzen finden Sie unter www.mittelalter-wurzen.de.
Das Wappen des Bischof von Saalhausen über dem Haupteingang
„Ein Denkmal von europäischem Rang“ – so hat Prof. Dr.-Ing. Gerhard Glaser als Sächsischer Landeskonservator das Wurzener Schloss in einem Brief bezeichnet, und auch andere Wissenschaftler haben die herausragende Bedeutung des ältesten Schlossbaues im deutschsprachigen Raum gewürdigt. Es gibt natürlich Schlösser, die im Ursprung viel älter sind und aus einer mittelalterlichen Burganlage entstanden. Aber ein als Schloss mit Repräsentationscharakter geplanter Neubau, der bereits 1497 nach nur sechs Jahren Bauzeit vollständig fertig stand und seitdem im Grunde auch niemals wieder in größerem Umfang umgebaut wurde – damit sticht das Wurzener Schloss auch die Albrechtsburg in Meißen oder auch Schloss Hartenfels in Torgau aus, denn beide wurden erst deutlich nach 1500 fertiggestellt, und bei beiden ist im Gegensatz zum Schloss Wurzen die Raumaufteilung in späterer Zeit nicht unwesentlich verändert worden.
Hier finden Hochzeiten statt - der einstige Gerichtssaal
Auch in anderer Hinsicht kann dem Schloss des Bischof Johann VI. von Saalhausen kaum ein anderes Gemäuer das Wasser reichen: gleich 44 Netzzellengewölbe der unterschiedlichsten Größe, dazu noch einige Tonnengewölbe mit sechs Meter starken Wänden im Kellerbereich, wertvolle Balkendecken aus der Spätgotik und der Frührenaissance und sogar eine netzzellengewölbte bischöfliche Toilette wollen erst einmal in einem einzigen Gemäuer Platz finden. Hinzu kommen malerische netzzellenüberwölbte Wendeltreppen mit über 380 Jahre alten Brandspuren, geheimnisvolle Wandschränke, nahezu identische Grundrisse vom Erd- und dem 1. Obergeschoß sowie auch Wandmalereien aus der Zeit, als hier die Bischöfe von Meißen residierten und damit das Zentrum des Bistums Meißen für fast 100 Jahre nach Wurzen verlegten.
Eine malerische Wendeltreppe mit 380 Jahre alten Brandspuren
Um das Jahr 2000 suchte die Stadt Wurzen nach dem Auszug der Polizei, die hier über 50 Jahre ihren Sitz hatte, einen neuen Eigentümer für das direkt neben dem Dom gelegene alte Schloss der Meißner Bischöfe. Ein voll möbliertes Schloss für eine D-Mark? Das riecht nach einem Schnäppchen, relativiert sich aber schon beim Blick auf die Möbel: zweckdienliche Büromöbel aus der Schlussphase einer langen Zeit, in der hier im Schloss die Bürokratie waltete. Noch heute läßt sich der Amtsschimmel vergangener Tage in den noch nicht restaurierten Teilen des Schlosses mühelos nachvollziehen. Triste graue Räume, blätternde Farbe, Neon-Leuchtstoffröhren oder alte Bürotechnik sind während der Führungen zu erleben, sogar Gefängniszellen gibt es noch. Wer kauft so ein Gemäuer, und verpflichtet sich mit dem Kaufvertrag, über 2 Millionen Euro in den kommenden Jahren zu investieren? Die Antwort auf diese naheliegende Frage – führt nicht in den Westen und auch nicht zu alten Besitzerfamilien, denn die gibt es beim Wurzener Schloss gar nicht. Die Brüder Ronny und Sirko Wedekind, beide in Wurzen geboren und beide bereits vor Ort als Gastronomen tätig, waren um 2000 auf der Suche nach etwas Besonderem. Damals brauchte es gewiß nicht wenig Phantasie, um im alten Wurzener Schloss das Besondere zu erkennen, einmal abgesehen von der angedachten Investitionssumme und der Vergangenheit des Schlosses, in das noch vor wenigen Jahrzehnten niemand gerne ging, zumal auch die
Staatssicherheit auf dem Dachboden des Schlosses einige Räume nutzte.
Die prachtvolle Hofstube wird heute für Feste und Veranstaltungen genutzt.
Und doch kauften die damals Mitte Zwanzigjährigen dann im Juni 2002 das neben dem benachbarten Dom bedeutendste Baudenkmal ihrer Heimatstadt für den doppelten Preis – denn aus der einen D-Mark war schon ein Euro geworden. Heute ist aus dem tristen und bröckelnden Polizei-Schloss ein richtiges Schmuckstück mit Hotel und Restaurant geworden. Familienfeiern oder Rittertafeln finden hier statt, und immer mehr Brautpaare geben sich im früheren Gerichtssaal mit dem herrlichen Netzzellengewölbe ihr Ja-Wort. Die ansprechend eingerichteten Hotelzimmer befinden sich im auch fast 500 Jahre alten Kornhaus, das direkt an das Schloss angrenzt und von diesem aus auch betreten werden kann. Der Besucher stellt sich während der mehr als einstündigen Führung über drei Etagen gar manches Mal die Frage, was die aufwendige Restaurierung zusammen mit dem passenden Inventar bisher wohl gekostet haben mag. Wer dann noch weiß, daß von den 3.300 Quadratmetern Grundfläche erst etwa 1.000 Quadratmeter saniert sind, der ahnt vielleicht, wieviel Arbeit auf die Eigentümer hier noch wartet. Beispielhaft sei an dieser Stelle ein während der Führung erlebbarer, früher vielleicht als Trinkstube genutzter Raum erwähnt, in dem Wandmalereien mit Weinlaubmotiven auf ihre Restaurierung warten.
Auf dem Schlosshof läßt es sich feiern.
Zuletzt – wie findet der Besucher denn nun das direkt neben dem Dom gelegene Wurzener Schloss? Wer aus Richtung Oschatz nach Wurzen kommt, durchquert die Stadt auf der B 6, und wenn es dann bergab geht (das passiert nur ein einziges Mal kurz vor dem Ortsausgang), dann biegt der Autofahrer unmittelbar vor dem allerletzten Haus auf der rechten Seite rechts ab. Wer aus Richtung Leipzig kommt und auf der B 6 in die Stadt fährt, hat es noch einfacher, denn er biegt gleich hinter dem ersten Haus auf der linken Seite links ab. Für beide sind es dann noch etwa 600 Meter, bis große Hinweisschilder zum Schloss das Fahrzeug über eine schmale Straße rechts auf die Höhe lenken. Oben findet sich dann ein Parkplatz, und keine 50 Meter von der Straße entfernt wartet das Schloss rechter Hand auf den Besucher.



Copyright © 2007 webprocom CMS Content-Management-System