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Auf den Spuren von ...

Entstanden in Strehla

Johann Adolph Schlegel (1721-1793)

Von ihm ist ein kleines Heft bestellbar: Fabeln des Johann Adolph Schlegel
Aus Schlegels 26seitiger Fabel „Die Eule und die Nachtigall. Eine Verwandlung. An Herrn Giseken“ stammt der Leitspruch der Rubrik „Auf den Spuren von ...“:

„An allen Narren ist die Müh` schon halb verloren,
und keine sind so schlimm, wie die gelehrten Thoren.“


Der Phönix (um 1745)

Der Mann, der nach den Flitterwochen
Aus Liebe küßt und nicht aus Pflicht;
Und mit der Frau so zärtlich spricht,
Wie er sonst mit der Braut gesprochen;
Sie, wenn er Jahre hingebracht,
Nicht bloß zur Concubine macht;
Ja, wenn ihr Herbst schon näher rücket,
Sie wie in ihrem Frühling küßt;
Der ist ein Phönix, der entzücket.
Nur Schade, daß er selten ist.

Die Frau, die nach des Mannes Tode
In allem Ernst die Trauer trägt;
Ja, wenn sie sie schon abgelegt,
An ihn noch denket, trotz der Mode;
Die nicht, eh ihn der Tod entseelt,
Den neuen Freier sich gewählt;
Ja, sein Gedächtnis nicht ersticket,
Wenn sie zur Eh’ sich auch entschließt;
Die ist ein Phönix, der entzücket.
Nur Schade, daß sie selten ist!

Die Schöne, die, ein Buch zu nehmen,
Den Spiegel aus den Händen legt;
Für ihre Schönheit Sorge trägt,
Doch klug ist, ohne sich zu schämen;
Die nicht nach Schmeicheleien strebt;
Errötet, wenn man sie erhebt;
Ihr Lob in unserm Aug’ erblicket,
Doch sich vor Freuden nicht vergißt;
Die ist ein Phönix, der entzücket.
Nur Schade, daß sie selten ist!

Ein Mädchen, das nach dreizehn Jahren
Noch nicht den Vormittag verschmückt,
Noch nicht nach Mannspersonen blickt,
Noch nicht sich sehnt, mehr zu erfahren;
Das sich nicht ärgert und betrübt,
Wenn man die ältre Schwester liebt,
Daß, wenn sich diese besser schmücket,
Der beßre Putz nicht gleich verdrießt;
Die ist ein Phönix, der entzücket.
Nur Schade, daß es selten ist!

Ein Reicher, der’s so christlich meinet,
Daß er die Waisen gern erzieht,
Und, wenn er Arme weinen sieht,
Vor großem Mitleid selber weinet;
Von Menschenlieb und Großmut voll,
Da rechnet, wo er sparen soll,
Und, wenn das Elend Witwen drücket,
Die Arithmetik gern vergißt;
Der ist ein Phönix, der entzücket.
Nur Schade, daß er selten ist!

Der Hund (um 1747)

Ein Hund, der tapfer scheinen wollte,
So furchtsam er im Herzen war,
Kroch, als ein Wandersmann einst vor ihm zittern sollte,
Erst zur Verhütung der Gefahr
So plötzlich hinter seine Türe,
Als ob ein Leid ihm widerführe;
Sodann boll er aus aller Macht.
Der Wandrer ging vorbei, und gab auf ihn nicht Acht.

Unfehlbar wird er ausgelacht;
Doch wollt ich seine Brüder zählen,
die er bei unserm Pöbel hat:
So sollt es ganz gewiß mir nicht an Arbeit fehlen.
Ich weiß, ich zählte mich bald satt,
noch eh es mir geglückt, die ganz zu überzählen,
die auf die Mächtigern mit großem Lärmen schmähn.
Und alle Frechheit sich erlauben,
So bald sie sich nur sicher glauben,
Und hinter einer Türe stehn.



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