Eine Wanderung durch die Röderaue bei Zabeltitz (ca. 6 km)
An einem schönen Frühlingstag fahre ich in Richtung Zabeltitz. Heute ist die vielgestaltige Röderaue um Zabeltitz mein Ziel, wobei aber auch der Ort selbst zu seinem Recht kommen soll.
In Zabeltitz empfängt mich an diesem Sonntagvormittag noch Stille, die Parkplätze sind fast leer. So fällt meine Wahl auf den Parkplatz an der Kirche im Zentrum des Ortes, denn meine Wanderung beginnt südlich des „Alten Schlosses“. Dorthin gelange ich vorbei am „Neuen Palais“, umgebaut in seine heutige Form von 1728 bis 1730 unter dem Reichsgrafen August Christoph von Wackerbarth. Von der Morgensonne angestrahlt, erahnt man, warum sich gerade hier mehrere sächsische Könige und auch Kaiser Joseph II. die berühmte Klinke in die Hand gaben.
Wenige Schritte weiter liegt vor mir das „Alte Schloß“, an dem mein Weg vorbei führt. Ursprünglich um 1590 von Kurfürst Christian I. als Stall erbaut, war das 86 m lange Gebäude später oft Ausgangspunkt kurfürstlicher Jagden. Wenn alle Ställe diese Größe hätten...
Gedankenversunken biege ich hinter der gewaltigen Anlage rechts ab, dann gleich hinter einer Brücke wieder links. Ab jetzt soll mich ein roter Punkt als Wegemarkierung bis zur Baudaer Mühle leiten. Bereits nach wenigen Schritten umgibt mich die Stille des Waldes. Das heißt, ein Wald ist es vorerst eigentlich nicht. Ein nur wenige Meter breiter Streifen mit alten Bäumen spendet hier direkt an einem Röderarm dem Wanderweg Schatten. Links und rechts dieses Streifens leuchtende Wiesen, deren Blüten viele Insekten anlocken. Für die Vögel scheint heute auch Sonntag zu sein, zumindest der Lautstärke nach zu urteilen.
Trotzdem wird ihr Gesang nach einiger Zeit von einem immer stärker werdenden Rauschen verdrängt. Beim Näherkommen entpuppt sich die Geräuschquelle als Wehr. Die erste Flußkreuzung des heutigen Tages, das kleine Gabelwehr. Die gesamte Flußregulierung der Röder in diesem Bereich dient zwar eigentlich dem Hochwasserschutz, bietet gleichzeitig aber vielen geschützten Pflanzen und Tieren Lebensraum. Bevor der Weg nun weg vom Fluß in den Wald führt, genieße ich noch einen Blick von der Brücke.
Etwas weiter erkenne ich vom Weg aus zwei Ohren am Waldboden. Mal sehen, wer da so neugierig ist... Schwupp saust das Eichhörnchen auf einen Baum. Irgendwie scheint es ziemlich sauer zu sein, denn ich werde lauthals ausgeschimpft. Es dauert einige Minuten, bis sich der kleine Kobold wieder beruhigt hat und in einem Kieferndickicht auf der anderen Seite des Flusses, der zwischenzeitlich wieder am Weg verläuft, verschwindet.
Das Rauschen eines größeren Wasserfalls erfüllt die Luft - das große Gabelwehr. Über 20 Meter Breite weist die Röder an dieser Stelle auf, bevor sie sich durch das Wehr in drei Arme teilt. Der mittlere dieser Arme, die Geißlitz, ist unverkennbar künstlichen Ursprungs und dient als Flutgraben, während ich den rechten Arm als bisherigen Wegbegleiter erkenne.
Bild oben: Das sogenannte „Alte Schloß“ diente einst als Pferdestall.
Bild unten: Eine der vielen Brücken auf unserer Wanderung.


