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Schriftsteller und Kartograph aus Riesa

Als damaliger Besitzer des Rittergutes Riesa wird Ernst Gottfried Hanisch 1790 als Baron von Odeleben in den Adelsstand erhoben. 13 Jahre zuvor war ihm am 13.3.1777 ein Sohn geboren worden, der später als Otto von Odeleben Berühmtheit erlangen sollte. Dieser Sohn erhält, wie seine anderen Geschwister auch, zunächst Unterricht vom Vater und von einem Hauslehrer, damals Informator genannt. Bereits in jungen Jahren schickt man Otto dann, gleich seinem älteren Bruder, auf die Ritterakademie nach Dresden.
Hier erarbeitet er sich vor allem hervorragende Fähigkeiten als Geodät. Bald erfolgt die Aufnahme in das „Garde du Corps“. Inzwischen Rittmeister, steht Otto 1806 im Stab des sächsischen Grafen von Zezschwitz als dessen Adjudant allerdings auf verlorenem Posten. Napoleon siegt in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Zunächst Gefangener, scheidet Otto von Odeleben aber bald aus dem sächsischen Militärdienst aus und versucht, dem Vater, sich und seinen Geschwistern das offenbar hochverschuldete Rittergut Riesa zu retten. Der Vater stirbt 1808. Wie viele andere Verwandte auch, findet er in Riesas vielbeschriebener Klosterkirchengruft seine letzte Ruhestätte.
Der Besitz ist indessen nicht mehr zu retten, und so brauchen die 1812 eingesetzten Konkursverwalter zwölf Jahre, um die Lage zu bereinigen. Schon 1810 wird Otto von Odeleben bei seiner Heirat mit Anna Amalia Clauß (1791 - 1837) nur als „Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Merzdorf“ genannt. Seinem Tagebuch vertraut er später an, daß er einer Einladung seiner in der Lausitz gut verheirateten Schwester „wegen Armuth“ nicht folgen kann.
Der Krieg geht in die nächste Runde. Napoleon zieht 1812 gen Rußland. Mit ihm - zwangsweise - auch die Sachsen, und unter diesen auch Otto von Odeleben. Nach der Einnahme von Moskau muß Napoleon zum Rückzug blasen, und viele seiner Soldaten erfrieren im eisigen russischen Winter. Wieder in Sachsen, erkennt Napoleon 1813, daß die Entscheidung über Sein oder Nichtsein wohl hier fallen wird. Deshalb fordert er von seinem sächsischen Vasallenkönig einen mit der hiesigen Topographie besonders gut vertrauten Offizier an. Man schickt ihm Otto von Odeleben.

Bild oben: In der Gruft der Riesaer Klosterkirche ist neben anderen Verwandten auch Otto von Odeleben bestattet.
Bild unten: Sein Buch zum Feldzug Napoleons im Jahre 1813.
Als nunmehriger Major muß dieser dann umgehend die ausgezeichneten sächsischen Meilenblätter (1:12.000) nach Paris bringen. Bis zum Herbst bleibt er an der Seite Napoleons. Als sich der Kaiser nach der Völkerschlacht auf dem Rückzug in Richtung Frankreich befindet, bittet Otto ihn in Erfurt um seine Entlassung. Napoleon gewährt diese, und der Major geht in die Gefangenschaft der Sieger.
Es wird sicher nicht nur die finanzielle Not gewesen sein, die ihn Schriftsteller werden ließ, sondern wohl auch das Wissen als Insider und die Hoffnung, künftigen Generationen ähnliche Erfahrungen zu ersparen.
Durcheilen wir aber zunächst sein weiteres offizielles Leben: 1817 Oberstleutnant im General-Kommandostab, 1820 Oberst der Kavallerie, 1830 Generaladjudant des sächsischen Königs.
Mit seinem ersten Buch „Napoleons Feldzug in Sachsen im Jahre 1813“ schreibt sich der Riesaer in die Geschichtsliteratur. Man schätzt ihn sowohl als Sachkenner wie als begabten Feuilletonist.
Die Erstauflage des Buches erscheint noch anonym. Die zweite Auflage trägt schon seinen Namen. Später folgen: „Sachsen und seine Krieger in den Jahren 1812 und 1813“, „Die Umgebung von Bautzen mit Beziehung auf die Schlacht vom 20. und 21.5.1813“ und die „Topographische Karte ... der besuchtesten Theile der Sächsischen Schweiz mit einem Kommentar“. Alle vier Werke entstehen ohne Auftrag staatlicher Stellen.
An deutlichen Worten läßt er es in seinen Werken nicht fehlen. Offen trauert er mit heißem Herzen um seine „nothleidende Heimat Sachsen“, die zum „Spielplatz des Frevels“ geworden war. So wie der Blücher, der Ernst Moritz Arndt, die Lützower und viele, viele andere lautere Menschen, bleibt auch Otto von Odeleben in Staatsdiensten. Er braucht die Stellung, um leben zu können.
Von 1823 bis 1826 verbringt er 134 Tage seiner Freizeit in der Sächsischen Schweiz. Er vermißt die Gegend und läßt auf eigene Kosten danach eine Karte stechen, die wegen ihrer Genauigkeit und Schönheit noch heute gelobt und nachgedruckt wird.
Otto von Odeleben, der kinderlos bleibt, stirbt am 2. November 1833 in Dresden. Aus seinem Leben und seinen Werken spricht die Liebe zu den Menschen und zur Landschaft seiner sächsischen Heimat.



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