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Abschied
Der Schlosspark zu Lampertswalde

Noch heute geht, umhüllt die Nacht die Fluren,
Des Ritters Schatten die geliebten Spuren:

Hans-Jürgen Turowski
Juli 2012
Der Schlosspark zu Lampertswalde bei Oschatz

Inzwischen ist er dem interessierten Ausflügler durch zahlreiche Kulturveranstaltungen zumindest dem Namen nach längst ein Begriff: der Schlosspark zu Lampertswalde etwa sechs Kilometer nordwestlich von Oschatz. Das Wort „Park“ lässt es bereits erahnen – ein Schloss gibt es hier nicht, nicht mehr. Gerade an so einem Ort findet der Besucher aber Antworten auf die Frage: „Wo komm ich her, wo geh ich hin?“
Wo komm ich her – die Antwort auf diese Frage führt natürlich zunächst ins Hochmittelalter, als Lampertswalde wie viele andere Orte der Region von deutschen Siedlern erbaut wurde, ohne dass man heute das konkrete Jahrhundert dafür benennen kann. Alte Urkunden nennen meist nur die Adligen, die einst gleich neben dem Gotteshaus des Dorfes eine Wasserburg errichteten, über deren Aussehen aber nichts bekannt ist. Namen wie von Köckeritz, von Pflugk, von Döring, von Oppel oder von Thielau fallen, und vor allem der Letztere hat das Ensemble Park, Schloss und Kirche maßgeblich beeinflusst. Hans Gottlieb von Thielau war als Oberstallmeister Augusts des Starken schließlich nicht irgendwer, und so musste das alte Wasserschloss ab 1694 einem barocken Neubau weichen, der bis zu seinem Abriss nach 1947 das Bild des Dorfes prägte und der im Grunde noch heute still präsent ist.
Das Ende des 2. Weltkriegs und die folgende Enteignung des Adels in Sachsen führten in Lampertswalde zum Abriss des Schlosses. In der Folge verfiel der Park zusehends. Der Wallgraben war im Nordwesten der Anlage mit Schutt und Erdreich verfüllt worden. Spätestens nach der Meliorierung der Dahle, in deren Folge ein den Schlossteich speisender Teich trocken fiel und zugeschüttet wurde, schien das Ende der Parkidylle scheinbar besiegelt. Die Ufermauern verfielen ebenso wie die Parkmauern, die Insel und auch den Teich nahm die Natur in Besitz. Vor 1990 wurde dann der Zugang zum Gärtnerhaus wegen Baufälligkeit der gesamten Anlage mit Betonplatten versperrt.
Nach dem Untergang der DDR nahmen beherzte Einwohner sowie die Gemeinde die Dinge selbst in die Hand. Von 1991-1994 erwachte hier langsam, aber unaufhörlich ein Kleinod zu neuem Leben. Der verfüllte Wallgraben erhielt wieder Wasser, die gesamte Teichanlage eine neue Ufermauer, und auch die Parkmauer selbst feierte eine Wiederauferstehung. Das Buschwerk auf Insel und Park musste weichen, und bereits im Frühjahr/Sommer 1994 konnte die kleine Ahornallee östlich des Teiches gepflanzt werden.
So, wie sich der Teich, die Insel, die gepflegten Anlagen und auch das 2007 entstandene Burgcafé am Westufer des Teiches heute präsentieren, ist es für den Besucher kaum vorstellbar, dass dieses vom Verein „Schätze und Plätze e.V.“ betreute Kleinod über so viele Jahre hinweg einfach verfallen konnte. Ein richtig schöner und beschaulicher Ort, an dem sich Kultur und Natur begegnen, und an dem auch eine mögliche Antwort auf die Frage „Wo geh ich hin?“ gegeben wird.


Sind Sie neugierig geworden? Zu fast allen in der Galerie gezeigten Schlössern sind in meinem Verlag Beiträge in Sammelwerken oder auch eigenständige Publikationen auf Papier erschienen. Fragen Sie einfach, ich stelle Ihnen gern eine Liste mit den hier vorliegenden Heften und Büchern zu „Ihrem“ Schloß zusammen.
Speziell der Schloßpark Lampertswalde hat auch einen festen Platz in meinen Vorträgen erhalten, Themen Nr. 1, 5 und 8.



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