Während aus der Frühzeit des Ortes nur wenige historische Nachrichten überliefert sind, erwarb die Familie von Schleinitz um 1430 das damalige Dorf Watzschwitz und fügte es zunächst dem Rittergut Seerhausen hinzu. Als Folge einer Erbteilung entstand um 1500 in Abspaltung von Seerhausen ein neues Rittergut, und der bisherige Ortsname Watzschwitz wandelte sich zu Jahnishausen, benannt nach seinem neuen Besitzer Jahn von Schleinitz.
Nach zahlreichen Besitzerwechseln in der Folge übernahm 1796 ein Graf von Hopfgarten das Anwesen. Auf den am sächsischen Hofe wirkenden Grafen geht weitgehend das schlichte, aber elegante Erscheinungsbild des heutigen Gebäudeensembles des Rittergutes zurück. Seine Verbindung zum sächsischen Hof war vermutlich auch die Ursache dafür, daß der sächsische Prinz und spätere König Johann im Jahr 1824 das Rittergut Jahnishausen seinem Besitz hinzufügte. Hierhin zog sich das sächsische Königspaar zurück, wenn es die steife Etikette des Dresdner Hofes hinter sich lassen wollte, hier widmete sich König Johann auch seinen Dante-Studien.
Die Wettiner hielten diesen Besitz bis zur Enteignung 1945, und die Legende von einem versteckten Wettinerschatz geistert noch heute immer mal wieder durch die alten Mauern. Danach beherbergte das Schloß u.a. einen Kinderhort, den Kindergarten und die Hebamme des Dorfes. In Folge eines bereits 1970 stattgefundenen Schornsteinbrandes sowie dem Leerstand ab 1990 wandelte sich das einstige Königsschloß zu einem ruinösen und verwilderten Anwesen. In diesem Zustand stand es im Jahr 2001 bei einer Versteigerung zum Verkauf.
Besitzer ist seither eine Genossenschaft, deren Mitglieder weder gemeinsame politische oder religiöse Ansichten eint, sondern die hier in der Verbindung von Individualismus und Gemeinschaftlichkeit einen Lebenstraum und damit auch das alte Rittergut mit Leben erfüllen. Heute leben hier 35 Menschen, die sich die Verantwortung vor Ort teilen und auch in anderen Bereichen des Lebens Gemeinschaftsbeziehungen pflegen und schätzen. Mit reichlich Engagement ist ein Teil der Gebäude in neuer Schönheit wiederstanden, wenngleich speziell das eher unscheinbare Schloß immer noch einer Restaurierung harrt.
Das Rittergut in Jahnishausen, heute Ortsteil von Riesa und etwa 5 km südlich von diesem gelegen, ist leicht zu finden. Bei Anreise auf der B 169 bis Ölsitz fahren, und dort in der Ortsmitte östlich in Richtung Jahnishausen abbiegen, dann noch 2 km.
Sind Sie neugierig geworden? Zu fast allen in der Galerie gezeigten Schlössern sind in meinem
Verlag Beiträge in Sammelwerken oder auch eigenständige Publikationen auf Papier erschienen. Fragen Sie einfach, ich stelle Ihnen gern eine Liste mit den hier vorliegenden Heften und Büchern zu „Ihrem“ Schloß zusammen.
Speziell das Schloß Jahnishausen hat auch einen festen Platz in meinen
Vorträgen erhalten, Themen Nr. 3 und 6. Eine Wanderung zu „Ihrem“ Schloß finden Sie
hier, und Termine des Vereins Accademia Dantesca Jahnishausen finden Sie
hier.
Im August 2010 fand auf Schloß Jahnishausen ein Schlössertag im Rahmen des SWB-Schlössersommer 2010 statt. Eine schöne Bildergalerie dieser Veranstaltung finden Sie
hier.