Ein Sommermorgen in Schleinitz

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Ein Sommermorgen in Schleinitz

Schloß Schleinitz
Der nachfolgende Text war einer der ganz wenigen im Heimatboten, der mit Stift und Zettel innerhalb von 20 Minuten direkt vor Ort entstand – in Schleinitz.

An einem frühen Sommermorgen besuche ich wieder einmal Schleinitz. Vorbei an kornbestandenen Feldern fahre ich der Sonne entgegen. Aus der Ferne grüßen die drei Turmspitzen der Lommatzscher Kirche. Alte knorrige Kirschbäume stehen an den schmalen Straßen, die reifen Früchte glänzen im Morgenlicht.
Als ich auf dem Schleinitzer Schloßhof aussteige, empfängt mich ein Vogelkonzert. Von Amsel über Buchfink bis hin zum Kuckuck zwitschert alles durcheinander. Und mitten drin, von einem tiefen Graben umgeben, grüßt Schloß Schleinitz.
Die ruhige Morgenluft verführt zum Wandern. Also lasse ich das Schloß zunächst erst einmal Schloß sein und folge dem Pfad, der zwischen Teich und Schloß in Richtung Süden führt. Morgendliche Dämmerung liegt über dem kleinen Park, das Gras ist noch feucht von der Nacht. Vorbei an alten Rhododendronbüschen gelange ich zu einer kleinen Steinbrücke. Das Bächlein hat heute morgen aber keine Lust aufzustehen, und so empfängt mich ein mehr oder weniger ausgetrocknetes Bachbett.
Aus der Ferne ertönt irgendwoher ein einzelner Glockenschlag. Sollte er von der wenige Kilometer nordöstlich gelegenen Leubener Kirche stammen? Inzwischen geht es schon im Bogen über eine weitere kleine Steinbrücke zurück in Richtung Schloß. Ein von Büschen und Geländer umgebener kleiner Platz macht neugierig. Also trete ich näher. Unter einer alten Linde fand hier ein 1881 in Dresden verstorbener Freiherr von Friesen seine letzte Ruhestätte. Freilich wird er nur ein Verwandter der Schloßherren gewesen sein, denn bis 1906 gehörte Schloß Schleinitz dem Geschlecht derer von Zehmen.

Bild oben: Ein Schloß in der Morgensonne.

Bild unten: Das Gerichtsgebäude mit der im Text erwähnten Muschel. Auch hier befinden sich museal genutzte Räume. Geöffnet hat das Museum an Sonn- und Feiertagen von 13 - 18 Uhr.
Gerichtsgebäude Schleinitz
Ein Steinmetz ist gerade mit der Erneuerung der Inschrift beschäftigt. Im Auftrag der Nachfahren, wie er sagt. Ich schaue einen Moment zu, dann zieht es mich weiter. Gerade einmal zehn Minuten hat die kleine Runde gedauert. Als ich aus dem kleinen Park heraustrete, empfängt mich als Lohn für die Wanderung der wohl schönste Anblick dieses Ensembles. Im Vordergrund das von der Morgensonne angestrahlte Schloß, dahinter der Schloßhof, über dem wie ein Wächter das Gerichtsgebäude mit dem Turm thront. Zur Rechten spiegeln sich Trauerweiden im Teich, an dessen Oberfläche ein Schwarm ziemlich kleiner Fische offenbar gerade seinen Morgenimbiß abhält.
Schwalben kreisen über dem Schloßhof, als ich mich dem Gerichtsgebäude nähere. Am frühen Morgen ist es natürlich noch geschlossen, aber das Wappen derer von Bose und die darunter befindliche Muschel können sich meiner Betrachtung dennoch nicht entziehen.
Hoch oben an der Wand des Museum für ländliches Brauchtum herrscht fröhliches Familientreiben. Die Schwalben wissen eben, was sich gehört und halten es eher mit dem Landmann als mit dem Adel - denn am Schloß nisten zwar auch Schwalben, aber es gibt keine so großen Schwalbenburgen. Dafür aber ein großes Wappen der Namensgeber von Schloß und Dorf – die drei Rosen der Schleinitze.
Für einen musealen Rundgang (Tel. Museum: 035241/82702) empfiehlt sich hier in Schleinitz vor allem der Sonntag Nachmittag als Besuchszeitpunkt. Aber das hebe ich mir für später auf.

Da zur Familie von Schleinitz in meinem Verlag Literatur erschienen ist, nachfolgend eine kurze Beschreibung des Heftes von Hans-Jürgen Pohl aus dem Jahr 2010: „Aus der Geschichte der Familie von Schleinitz – ein Beitrag zur sächsischen Landesgeschichte“, das Sie hier bestellen können.

Die Geschichte der Familie von Schleinitz dokumentiert zugleich einen wesentlichen Teil sächsischer Landesgeschichte vor allem der Zeit zwischen 1450 und 1650. Die einst in Sachsen weitverzweigte Familie derer von Schleinitz war in den verschiedensten Funktionen im markmeißnischen und kursächsischen Staatswesen sowie in der Kirchenverwaltung tätig und zugleich wesentlicher Kulturträger des Landes. Sie beauftragten die besten Architekten für ihren Burgen- und Schlösserbau sowie die bekanntesten sächsischen Bildhauerwerkstätten für ihre Kirchenausstattungen und dienten den meißnischen Markgrafen und späteren sächsischen Herzögen und Kurfürsten als wirtschaftliche und politische Berater. Das vorliegende Heft führt die Leser vor allem in die Region zwischen Meißen und Oschatz, aber auch nach Dahlen oder Kriebstein. Zusätzlich werden verschiedene bedeutsame Familienmitglieder gesondert vorgestellt. Auch wenn die Ausführungen in der 60 Seiten umfassenden Publikation aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas natürlich nicht allumfassend sind, können sie doch dazu beitragen, sächsische Heimatgeschichte mit all dem Reichtum geschichtsträchtiger Baulichkeiten und Kunstwerke lebendig werden zu lassen und mit den geschichtlichen Personen dieser Zeit zu verbinden.



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