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Ein Freund von Schlegel und Gellert

Nikolas Dietrich Giseke (1724-1765)

Das Privilegium (um 1746)

Ihr Freunde, zankt nicht mit den Toren,
Sie haben einen Eid geschworen,
Den halten sie, und bleiben dumm,
Sie werden euren Spott ermüden,
Und bleiben doch mit sich zufrieden -
Das ist ihr Privilegium!

Ein jeder Mensch hat seine Freude,
Und denkt wohl, daß man ihn beneide.
Der Thor denkts auch, denn er ist dumm.
Wollt ihr ihm seine Freude nehmen?
Soll er sich seiner Weise schämen?
Er hat sein Privilegium!

Zwingt Narren nicht, euch hoch zu achten.
Sie sind befugt, euch zu verachten;
Denn ihr seid klug, und sie sind dumm.
Die Herren wissen auch zu leben,
Und loben die, die sie erheben.
Das ist ihr Privilegium!

So oft ihr Herren kommen sehet,
So weichet aus, bückt euch, und gehet!
Sie weichen nicht, denn sie sind dumm.
Könnt ihr von Narren das begehren?
Ja, wenn sie keine Narren wären!
Das ist ihr Privilegium!

Vergebens bleicht man einen Mohren,
Vergebens straft man einen Thoren;
Der Mohr bleibt schwarz, der Thor bleibt dumm.
Das Tadeln ist nicht meine Sache.
Ich laß sie Narren sein, und lache -
Das ist mein Privilegium!

Auszug aus einer von Gisecke gehaltenen gedruckten Trauerrede (!) des Jahres 1748.

Dem großen Haufen der Menschen ist Trägheit angeboren,
so oft sie die rühmlichen Eigenschaften Anderer erheben sollen,
daß uns allein aus dieser Ursache die Verdienste verdächtig werden müssen,
die wir mit zu viel Lobsprüchen überhäuft sehen.
Der Ruhm bei den Menschen muß wohl nicht die wahre Belohnung der Tugendhaften sein,
weil die Vorsehung sie ihnen so selten erteilt.
Sie leben im Verborgenen, weil sie zu furchtsam sind, sich einer Welt aufzudrängen,
die sich durch ihre Größe beleidigt findet.
Sie werden nur von einigen Wenigen gekannt,
und von den Übrigen oft mit gleichgültigen oder gehässigen Augen angesehen.



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