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Ein Schriftsteller aus Leuben bei Lommatzsch

Vom hochgelegenen Lommatzsch aus geht es nach Süden in das Tal des Ketzerbaches hinab. Ein Stück talaufwärts thront auf einem Bergsporn, der auf der anderen Seite vom Dreißiger Wasser begrenzt wird, die Kirche von Leuben. Eine Urkunde nennt „Luvine“ schon 1069 als Standort eines Burgwards.
Die Geschichte des Dorfes Leuben verläuft dann über Jahrhunderte ohne größere Ereignisse. Als jedoch 1756 der Siebenjährige Krieg beginnt und vier Jahre später einem Höhepunkt zustrebt, stürzt über Leuben das Verhängnis herein. Anscheinend brechen in einem hier gelegenen Lazarett Seuchen aus. Es sterben in den rund 50 Haushalten 63 Menschen. Darunter der Pfarrer Heyne und wohl auch dessen Frau. Die Pfarrersleute hinterlassen zwei Knaben - den 9jährigen Christian Leberecht und das Baby Friedrich Adolf. Die Kinder werden offenbar von verschiedenen, außerhalb wohnenden Verwandten aufgenommen.
Verfolgen wir das Schicksal des Christian Leberecht. Über die Domschule in Naumburg gelangt er zur Uni nach Leipzig (ca. 1773 - 1778). Dort studiert er Jura und arbeitet danach als Jurist in verschiedenen Stellungen. Doch dieser Beruf füllt ihn nicht aus. Er wirft sich nebenbei der Muse in die Arme, veröffentlicht Gedichte und übersetzt bzw. bearbeitet Theaterstücke französischer sowie englischer Autoren. Dies kommt ihm bei seinen eigenen schriftstellerischen Arbeiten zugute. Verschiedene seiner humorvollen Geschichten erscheinen 1780 unter dem Titel „Bagatellen“. Sein Name wird bekannt.
Halt! Das ist nicht korrekt - denn als Schriftsteller bedient er sich eines Pseudonyms: Anton Wall. Das Lesepublikum der Leihbibliotheken verlangt nach mehr Geschichten von ihm.

Bild oben: Christian Leberecht Heyne.
Bild unten: Die „Bagatellen“ des Schriftstellers.
Er geht 1788 nach Berlin und arbeitet dort als Jurist für Anwälte, Gerichte und Firmen. Doch sein Herz hat sich längst entschieden: Er verzichtet in Berlin auf eine ihm angebotene, gut dotierte Stelle als Jurist.
Von nun an widmet sich Christian Leberecht Heyne nur noch seiner schriftstellerischen Arbeit. Mit der Übersetzung und Bearbeitung eines kleinen französischen Lustspiels gelingt ihm ein großer Erfolg. Als die deutschen Theater sowie die in Mode kommenden bürgerlichen Liebhaberbühnen nach weiteren solchen Stücken rufen, verfaßt er selbst eine Fortsetzung: „Der Stammbaum“.
Diese kommt bei Schauspielern und Publikum derartig gut an, daß sogar ein Weimarer Hofschauspieler den großen Goethe auffordert, davon eine Fortsetzung zu schreiben. Goethe tut es, wenn auch anonym, mit: „Der Bürgergeneral“. Es spricht sich freilich herum, daß Goethe der Autor ist. Da zieht die Literaturkritik die Augenbrauen hoch, schüttelt mit dem Kopf und mäkelt an Goethes scheinbarem Ausrutscher herum. Doch so schlecht ist Goethes Anton-Wall-Adaption wahrhaftig nicht. Der Glaube daran, alles, was den einfachen Menschen gefalle, sei aus Gründen eines höheren Kunstzweckes abzulehnen, ist Aberglaube und Hochmut. Goethe jedenfalls bekennt sich später zu diesem Werk.
Christian Leberecht Heyne verläßt 1790 Berlin und begibt sich nach Rochlitz, wo er Verwandte besessen haben soll, und nach Geringswalde. Mit seiner Gesundheit steht es in dieser Zeit nicht zum Besten. Literarisch untätig bleibt er in dieser Phase seines Lebens wohl trotzdem nicht, denn als ihn 1799 der Altenburger Verleger Richter gewissermaßen wieder in die Welt zurückholt, erscheinen von ihm in schneller Folge mehrere Romane. Deren Handlungen spielen sowohl im Orient wie auch in anderen Ländern. Mit seiner Schreibweise ist es Christian Leberecht möglich, recht heftige Gesellschaftskritik zu üben, ohne die herrschenden Kreise in Deutschland zu brüskieren. „Das Lamm unter den Wölfen“ hat dagegen zum Handlungsort eine Kleinstadt in Deutschland, die er allerdings nicht beim Namen nennt. Rochlitzer und Geringswalder Motive sind dennoch darin nicht zu übersehen.
Der stets kränkelnde und sehr auf seine Unabhängigkeit bedachte Heyne hat es im Alter nicht leicht. Er nimmt verschiedene Hauslehrerstellen an, gibt sie aber immer recht schnell wieder auf. „Mit Mangel und Dürftigkeit kämpfend“ stirbt er im 70. Lebensjahr am 13. Januar 1821 in Hirschberg bei Hof.
Daß der Leubener Christian Leberecht Heyne auf sein Stück „Der Stammbaum“ stolz sein durfte, stellte der spätere Riesaer Studienrat Dr. Schwenke 1908 in seiner Doktorarbeit fest, in welcher er die eigenschöpferische Qualität von Heynes Arbeit lobte und in einer angefügten Aufstellung bewies, daß Heynes Stücke von den meisten deutschen Theatern dieser Zeit oft gespielt wurden. Zwei seiner Gedichte fanden sogar Eingang in das damals bekannte „Mildheimische Liederbuch“. Auch eine Literatin unserer Zeit nahm zwei Erzählungen von ihm in einem Bändchen mit Unterhaltungsliteratur des 18. Jahrhunderts auf und lobte dabei u.a. sein „Feingefühl...in dieser kunstvoll gebauten Novelle.“



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