Wandern - Führungen - Vorträge - Literatur

Informationen und Angebote

Schloßimpressionen

Wanderungen

Auf den Spuren von ...

Burg Mildenstein.
Die Botschaft der Heiligen - eine Ausstellung auf Burg Mildenstein
Entnommen dem 1999 erschienenen Heft Nr. 15 des Heimatboten

Seit einiger Zeit ist auf Burg Mildenstein eine neue Dauerausstellung zu sehen. Sie zeigt sakrale Skulpturen aus fünf Jahrhunderten, die nach oftmals langer Lagerzeit in den Magazinen der Burg erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In den restaurierten Räumen der Kapelle und des einstigen Aktengewölbes können Besucher etwa 30 Werke des 14. bis 18. Jahrhunderts bewundern.
Die Anbetung von Heiligenbildern im Spätmittelalter war ein wichtiger Bestandteil der Religion. Betrachtet als Vermittler zwischen Gott und den Menschen, riefen diese die Heiligen in irdischen Nöten um Hilfe und Beistand an.
Ursprünglich stand besonders der Kult um Reliquien im Mittelpunkt der Heiligenverehrung. Den Gebeinen der Märtyrer und Heiligen wohnte nach christlicher Auffassung eine besondere Kraft inne. Als Beweis dafür galten die überlieferten Wunderheilungen, die bei und durch Reliquien geschahen.
Doch nicht nur die Gebeine, sondern auch Kleidungsstücke und ähnliches aus dem Besitz der Heiligen wiesen diese besondere Kraft, die Virtus, auf. Als eine solche Reliquie galt z.B. die cappa des Heiligen Martin, also der Mantel, den er mit einem Bettler geteilt hatte. Die Karolinger waren am Ende des 7. Jahrhunderts in den Besitz dieser Kostbarkeit gelangt. Sie nahmen Geistliche - capellani (Kaplan) genannt - in ihre Gefolgschaft auf, die den Schatz hüteten und auf Feldzügen mitführten. Die Räume, in denen sie den Mantel aufbewahrten, war die Capella - unsere heutige Kapelle.
Der Kult mit Heiligenreliquien nahm mit der Zeit phantastische Formen an. Mit Hilfe der Virtus erhofften sich die Menschen eine Linderung ihrer Not. Bei der Unsicherheit der damaligen Lebensverhältnisse benötigte man eine Vielzahl solcher Gegenstände, um die Segensmacht der Heiligen und ihre heilende bzw. helfende Wirkung zu erhalten.
Die ursprünglich verhüllten und eingeschlossen Reliquien wurden seit dem 14. Jahrhundert sichtbar gemacht. Entweder erhielten die Schreine ein Sichtfenster, oder man zeigte einzelne Reliquienteile in besonderen Behältnissen. Es entstanden u.a. Kopf- und Armreliquiare sowie ganze Heiligenfiguren, denen man entsprechende Reliquien eingefügte. Auf diese Zeit geht auch das aus der Matthäikirche in Leisnig stammende Armreliquiar zurück. Es soll eine Reliquie des Heiligen Laurentius enthalten haben, die Wiprecht von Groitzsch der Überlieferung nach von seinem Italienfeldzug im 11. Jahrhundert mitbrachte.
In der christlichen Kirche besteht ein enger Zusammenhang zwischen Altar und Reliquien. Es gab im Mittelalter keinen Altar ohne Reliquien. Jede Dorfkirche bekam bei ihrer Weihe zumindest Berührungsreliquien zugeführt. Was vorher nur Päpsten, Bischöfen, Kaisern und Königen vorbehalten war - die Bestattung in der Nähe von Reliquien - wurde allmählich zum Gebot für alle. Im Gegensatz zur Antike, die ihre Gräber immer außerhalb der Wohnbezirke hatte, befand sich im Mittelalter die Kirche mit Friedhof im Zentrum der Siedlung. Der Wunsch der Menschen, die letzte Ruhestätte möglichst nahe des Standortes der heiligen Reliquien zu erhalten, verursachte diese Entwicklung. Etwa seit dem 8. Jahrhundert erfolgten Beerdigungen nur noch bei Kirchen. Erst im 15./16. Jahrhundert begann man in größeren Städten, die Friedhöfe außerhalb des Ortes zu legen.
Alle auf Burg Mildenstein ausgestellten Stücke stammen aus Leisnig oder der näheren Umgebung. Oft als unmodern betrachtet und nach der Reformation auch nicht mehr benötigt, verbrachte ein großer Teil von ihnen einige Jahrhunderte auf den Dachböden der Kirchen.
Ein Katalog, der alle Objekte in Farbaufnahmen zeigt und nähere Angaben zu Herkunft und Bedeutung enthält, ergänzt die sehenswerte Ausstellung. Obwohl die Sammlung selbst der Fachwelt kaum bekannt ist, nimmt sie innerhalb der sächsischen Plastik einen bedeutenden Platz ein und zeugt von der hohen Qualität sächsischer Schnitzkunst.
Für alle in der Galerie gezeigten Schlösser gilt: In meinen Publikationen sind zu diesen Bauwerken oft zahlreiche Beiträge in Sammelwerken oder auch eigenständigen Arbeiten auf Papier erschienen. Fragen Sie einfach, ich stelle Ihnen gern eine Liste mit den hier vorliegenden Heften und Büchern zu „Ihrem“ Schloss zusammen.

Ihr Robert Schmidt



Copyright © 2007 webprocom CMS Content-Management-System