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Das Prälatenhaus zu Meissen

Ein Bilderbuch der Spätgotik

Prälatenhaus Meißen
Bitte vormerken: Voraussichtlich am Sonntag, dem 5. August 2012, findet ab 13 Uhr im Prälatenhaus wieder eine Reise ins späte Mittelalter statt. Ich selbst bin vor Ort in historischer Gewandung mit Zeitreisevorträgen präsent, sachkundige Führungen durchs Haus mit seinen herrlichen Bohlenstuben werden angeboten, und ein kühles Glas Meißner Wein gibt es sicher auch. Das genaue Programm finden Sie hier auf dieser Seite etwa 2 Wochen vorher.

Eines der beliebtesten Fotomotive Meißens ist der Blick über den gotischen Staffelgiebel des Gebäudes Rote Stufen 3 zur Stadt hinab, der sich rechter Hand vor den Meißner Burgstuben dem Meißen-Besucher präsentiert. Bauherr dieses Gebäudes war um 1509/1510 der Vikar und Notar des Bischofs von Meißen, Nikolaus Heynemann. Heynemann ließ verschiedene Räume im Haus mit Malereien versehen und hatte mit Sicherheit Kontakte zu einflussreichen, kunstinteressierten Zeitgenossen. Zeugnis dafür geben auch die zahlreichen Bauwerke ab, die sein damaliger Dienstherr, Bischof Johann VI. von Saalhausen, errichten ließ. Als nur ein Beipiel sei an dieser Stelle das 1497 fertig gestellte und heute noch weitestgehend im Originalzustand erhaltene bischöfliche Schloss zu Wurzen genannt, in dem der Seiteninhaber historisch gewandet als Nikolaus Heynemann heute wieder regelmäßig Schlossführungen anbietet. Von einem solchem Umfeld inspiriert, entstand in Meißen auf halber Höhe zwischen Schloßberg und Stadt ein Bilderbuch der Spätgotik, sowohl von außen als auch von innen.
Zwischen der Zeit vor 500 Jahren und dem heutigen Zustand durchlebte das Haus eine wechselvolle Geschichte. Meist befand es sich in Privatbesitz und wurde in kleinerem oder größerem Umfang den Nutzungsanforderungen des jeweiligen Besitzers angepasst. Als das Haus dann 1978 in die treuhänderische Verwaltung der Gebäudewirtschaft Meißen überging, schien schon kurze Zeit später sein Schicksal besiegelt, und der bereits beschlossene Abriss scheiterte am Ende nur an den technischen Möglichkeiten und den zu erwartenden Kosten.
Meißner Bürger, u.a. die Architekten A. und A. Hainz sowie der Restaurator G. Preuß, engagierten sich bereits damals für den Erhalt des Hauses. Ein Fanggerüst für herabstürzende Dachziegel wurde angebracht, die Dachhaut mit Planen gesichert und eindringendes Regenwasser aufgefangen. G. Preuß untersuchte das Gebäude im Rahmen seiner Diplomarbeit 1991/92 und entdeckte dabei die reiche freskale Ausgestaltung aus der Erbauungszeit.
Bildmotiv in der Bohlenstube im 2. OG
Seinen heutigen Platz im Stadtbild verdankt das Haus einem Prozess des langen Überzeugens und Ringens einiger weniger Visionäre. Im Ergebnis fasste der Stadtrat zu Meißen im Jahr 1998 den Beschluss, das Haus von einer Erbengemeinschaft zu kaufen und es dann dem bereits Ende 1989 gegründeten „Kuratorium Rettet Meißen – jetzt“ e.V. zur Sanierung und Restaurierung zu übergeben.
Die heute gastronomisch nutzbare Haushalle als zentraler Raum des gotischen Erdgeschosses fand zwischenzeitlich weitgehend zu ihrer ursprünglichen Gestalt zurück, die spätgotischen Malereien in den Bohlenstuben des ersten und zweiten Obergeschosses wurden ebenfalls restauriert. Zahlreiche Räume harren allerdings noch ihrer Sanierung.
Die endgültige Wiederherstellung dieses einzigartigen Gebäudes war von Beginn an das Ziel des „Kuratorium Rettet Meißen – jetzt“ e.V. Um das Haus wieder mit Leben zu füllen, organisiert der Verein seit Jahren Veranstaltungen wie Ausstellungen, Vorträge sowie natürlich Besichtigungen und Führungen durch das Haus, wobei sich Touristen und interessierte Einheimische über das Gebäude und seine künstlerischen Werte, seine Baugeschichte sowie auch über die Geschichten seiner Bewohner informieren können.
Prälatenhaus Meißen von oben
Hinweise zur Anfahrt

Wer das Prälatenhaus zu Meißen erreichen möchte, muß nicht nur im Haus zwingend Treppen steigen – vom Café Zieger (unten) führen links vor dem Cafe ca. 30 Stufen nach oben oder von den Meißner Burgstuben (oben) noch vor dem ersten Burgtor rechter Hand knapp 50 Stufen abwärts. Also das Auto entweder auf den Elbparkplätzen abstellen (von dort vielleicht 15-20 Minuten Fußweg) oder in der Stadt versuchen. Auch der neue Lift zum Burgberg ist eine Alternative. Das Bild zeigt das Prälatenhaus von der Treppe bei den Meißner Burgstuben, der schöne Staffelgiebel ist nicht zu übersehen.

Kontaktdaten des Prälatenhauses:
Rote Stufen 3
Mail: kuratorium-meissen@gmx.de
Tel.: 0179 132 9696



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