Stille Feierlichkeit - Die Dorfkirche in Wasewitz
Friedlich zirpen die Grillen hier in der Muldenaue bei Wasewitz. Bussarde und andere Greifvögel ziehen lautlos ihre Kreise. Plakate oder Budenlärm wird der Wanderer hier vergeblich suchen, und er vermißt sie wohl auch nicht. Wer hierher kommt, der sucht die Ruhe vor dem Alltagsstreß, möchte sich an der Weite der Landschaft erfreuen. Und unvermittelt steht er vielleicht vor der kleinen Wasewitzer Wehrkirche, deren erst 1851 errichteter Turm von der Form her an einen Leuchtturm erinnert.
Der noch voll funktionstüchtige Wehrbalken hinter der Kirchentür deutet darauf hin - die Kirche hat früher auch anderen Zwecken gedient. Bei Gefahr zogen sich die Dorfbewohner hinter die dicken Mauern zurück, hoffend, daß ihnen das Schicksal gnädig gesonnen sein möge.
Wer im Innern der Wehrkirche große Schätze in Form von Altären oder Gemälden erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Die Kanzel von 1548 gehört zwar zu den ältesten evangelischen Kanzeln Sachsens überhaupt - nur die Kanzel in der 1544 von Luther geweihten Torgauer Schloßkirche ist älter -, aber ansonsten ist der Kirchenraum eher sparsam „möbliert“. Das ist auch gut so, denn so kann der Besucher seine ganze Aufmerksamkeit dem größten Schatz der Wasewitzer Kirche zuwenden - seiner Wandbemalung. In ziegelroter Farbe nimmt die Ausmalung fast die gesamte Nordwand der Kirche ein. Auch an den anderen Wänden befinden sich unter dem gegenwärtigen weißen Anstrich zu einem großen Teil weitere Ausmalungen, von denen Teile ebenfalls zu sehen sind. Derzeit fehlt das Geld für eine umfassende Freilegung, und so braucht der Besucher etwas Phantasie, um sich die vollständige Pracht des Raumes vorstellen zu können.
Bild oben: Schon von weitem ist der Rundturm der Wasewitzer Kirche (Tel. für Führungen 03425/926244) zu erkennen. Von ihm bietet sich ein herrlicher Rundblick über die Weite der Muldenlandschaft.
Bild unten: Die Geißelszene über der Eingangstür gehört zu den eindrucksvollsten Szenen der mittelalterlichen Ausmalung.


